Programm

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Die Mitte am Rand - Überseestadt durch die Linse. Dokumentarische und künstlerische Fotografien

Do 25.04. - So 01.09.2013, 11:00 - 18:00 Uhr

Ort:
Kulturkirche St. Stephani, Stephanikirchhof 8
28195 Bremen

Stephanikirchhof 8
28195 Bremen

Eine Ausstellung in der Kulturkirche St. Stephani Bremen mit Fotografie und Film.
Dienstags bis Sonntags 11.00 bis 18.00 Uhr

Die Kulturkirche St. Stephani Bremen widmet sich in ihrer nächsten Ausstellung mit dem Titel "Die Mitte am Rand" dem Thema Überseestadt / Überseehafen mittels dokumentarischer und künstlerischer Fotografien und Filme. Die 13 Einzelpositionen von überwiegend Bremer Künstlern, Fotografen und Filmemachern sind so verschieden wie dieses sich im Auf- und Umbruch befindliche Gebiet mit seiner bedeutenden Geschichte, der dynamischen Gegenwart, aber noch nicht klar definierten Zukunft. Die Bandbreite der Arbeiten reicht von historischen Dokumentarfotografien über den Hafen, als dort noch "richtig gearbeitet wurde", wie es bei vielen Alteingesessenen heißt, über Arbeiten mit neuen Bauten oder auch Brachen, bis hin zu künstlerischen Konzeptarbeiten. Die Ausstellung wurde kuratiert von dem Bremer Künstler und Fotografen Jens Weyers, der selbst in der Überseestadt mit seinem Atelier ansässig ist.



Pressekontakt:
Kurator:
Jens Weyers, Konsul Smidt Str. 30, Bremen, T 0421 6165674 oder 0173 2354840
info@jens-weyers-fotografie.de
Veranstalter:
Achim Kunze, Kulturkirche St. Stephani, T 0421 3032294 oder 0160 97259867
Projektleitung@Kulturkirche-Bremen.de



Zusätzliche Informationen zu den Künstlern und zum Kurator:

Andreas Bohnhoff ist Fotokünstler und lebt und arbeitet in Bremen. Seine surreal anmutenden Architekturaufnahmen fotografiert er in zeitlosem Schwarz / Weiß mit einer analogen Leica-Kamera. Bohnhoff arbeitet seit den 1980er Jahren immer wieder im Hafen und die Motivfindung hört seiner Aussage nach nie auf. Er erarbeitet sehr genaue und intensive Bildausschnitte, wobei er nicht wie ein klassischer Architekturfotograf auf strenge, gerade Linien achtet, sondern auf die Sprache der Gebäude, und diese zu einem eigenen Leben erweckt.

Matthias Schneege arbeitet als Werkstattleiter an der HFK Bremen und beobachtet seit 2007 den Umbruch des Hafens. Er dokumentiert diesen Umbruch aus unmittelbarer Nähe. Matthias Schneeges Motive geben selten Übersichten des Gebietes, sondern dokumentieren Strukturen und Formen von Baustellen, von zugeschneiten Pflastersteinen, Kabeltrommeln oder ausgegrabenen Gebäuderesten. Auch Schneege bedient sich der klassischen, klar strukturierten, analogen Schwarz / Weiß Fotografie mit einer Großbild- und Mittelformatkamera.
http://www.schneege-photographie.de

Dieter Schmidt war an der Gründung des Bremer Fotoforums beteiligt und ist ein sehr ambitionierter Amateur (ein Liebhaber der Fotografie!). Er arbeitet als Lehrer. Seine Fotografie verschreibt sich der klaren Bildsprache, den strengen Linien, er arbeitet grafische Elemente aus Hallen und Hafengebäuden heraus. Schmidt ist ein weiterer Vertreter der klassischen analogen Schwarz / Weiß Fotografie, der mit Großbild- und Mittelformatkamera seit den 1980er den Hafen erkundet und fotografisch erobert.
www.diet-schmidt.de

Tom Kleiner arbeitet als Fotograf und ist Mitbegründer der Gruppe für Gestaltung (GfG), die ihr Domizil seit 2004 in der Alten Feuerwache 5 am Getreidehafen hat. Kleiner besticht in seiner konzeptuellen Arbeit mit einer absoluten Präzision der Fotografien, sie sind in einem Abstand von 6 Jahren entstanden. Die ersten Fotos wurden 2004, die folgenden Fotos 2010 von genau dem gleichen Standpunkt aus aufgenommen. Diese Arbeit bietet teilweise deutlich sichtbare Spuren einer Zeitwanderung, z.B. die Eisenbahnbrücke, die im Vergleich der beiden Aufnahmen unverändert aussieht, aber beim genauen Hinsehen 2010 erkennbar einen Meter höher geworden ist. Auch Tom Kleiner macht seine Fotografien analog mit einer Großbildkamera auf Farbnegativfilm.

Marcus Meyer arbeitet als Fotograf und war Mitbegründer der Fotoetage Bremen. Seine Fotografien entstanden mit einer aus Abflussrohren selbst gebauten Lochkamera, die er an verschiedenen Orten im Hafen versteckt angebracht hat. Die Fotografien entstanden über einen Monat, während der gesamten Zeitspanne wurde das Fotopapier belichtet (Solarografie). Nach einem so langen Zeitraum entwickelt sich die Fotoemulsion im Papier selbst, was eine Entwicklung im Labor nicht nötig macht. Die einzige Bewegung, die auf den Fotografien sichtbar bleibt, ist die Sonne, die in großen Bögen die großformatigen Abzüge streift. Die Fotos bestechen durch eine raue Oberfläche, die teils ausgefressenen Strukturen, kleine Löcher und Risse, alles "Fehler", die Wind, Regen und Sonne dem fotografischen Träger zugefügt haben. Nach dem Belichten wurden die Träger (Fotopapier) eingescannt und digitalisiert, somit arbeitet Marcus Meyer hybrid, analog und digital zugleich.
http://marcusmeyer.co.uk/

Christian Wolter arbeitet als Fotokünstler in Bremen. Seine Serie "habor in limbo" hat Christian Wolter schon 2003 erarbeitet, genau die Zeit des Auf- und Umbruchs in der Überseestadt, die den alten Hafen beginnt zu erobern, aber noch keines der neuen Zeichen ist zu sehen, außer dem zugeschütteten Überseehafenbecken. Die Serie "Bremer Brachen" entstand 2005, sie beschreibt die Flächenbevoratung im Bundesland Bremen, die natürlich auch im Überseehafen / Überseestadt mit großen Brachen gut sichtbar ist. Wolter arbeitet analog mit einer Großbildkamera, seine Farbabzüge stellt er noch selbst im Labor her und filtert seine eigentümlich blassen Farben per Hand aus, die seine Fotografien so spannend machen. Seine Aufnahmen haben eine reduzierte Ruhe, die nur in der Zeit zwischen Abriss und Neuerschließung folgender Neubebauung wahrzunehmen ist.

Birgit Wingrat arbeitet als Grafik-Designerin und Fotografin in Bremen und ist die einzige Frau an Bord. Wingrats Interesse gilt ungeplanten Situationen oder Provisorien, wie beispielsweise sich verändernde Sandhaufen an Baustellen, Haltestellen, die eingerichtet und wieder aufgelöst werden. Sie zeigt Über- und Durchsichten der Gebäude, die den alten und den neuen Hafen zeigen, z.B. die Durchsicht vom Wesertower / Jahnhochhaus zum Faulenquartier mit Blick auf die Kulturkirche. Die zweite Serie rund um die Hügel vor dem Hafenhochhaus sind bei Nebel fotografiert, was der Szenerie etwas Surreales verleiht, man kann die Bilder kaum verorten, es könnte überall sein. Wingrat arbeitet in diesem Fall analog mit einer normalen Kleinbildspiegel-reflexkamera, was für die Flexibilität ihrer Arbeit förderlich ist.
http://www.birgitwingrat.de/arbeiten/stadtportraits/bremen_ueberseestadt
http://www.birgitwingrat.de/extern-/birgitwingratde/arbeiten/stadtportraits/bremen---ueberseehafen/


Toma Babovic arbeitet als Fotograf international. Babovics großformatige Fotografien von Eingangshallen und Fluren der neuen Ports am Europahafen zeigen die Gegenwart aktueller Investorenarchitektur: Neubauten, wie sie derzeit überall in Europa entstehen, ein globaler Stil, der, wenn man es nicht besser wüsste, in Hamburg, London oder sonst wo gebaut sein könnte. Die Aufnahmen wirken kühl und menschenleer, trotz der Farbigkeit. Als Kontrast zur sterilen Architekturfotografie wirken Fotografien von einem Angler am unbebauten Hafenrand hinter dem Schuppen 3, oder von einem Falkner samt Jagdfalken auf einer der vielen Brachflächen in der Überseestadt. Toma Babovic arbeitet ausschließlich digital und in Farbe.
www.babovic.de

Joachim Fliegner arbeitet als Fotograf für die Kunst und die Künstler in Bremen. Die Serie von 15 analog fotografierten Bildern wurde im Februar 1985 auf dem ehemaligen AG-Weser Gelände aufgenommen. ("Dokumentation einer Begehung der AG-WESER mit Rafael Rheinsberg im Feb. 1985") Die Werftenpleite und die Jahre später nachfolgende Spaceparkpleite haben den Strukturwandel der Überseestadt ins Rollen gebracht hat. Fliegner hat das Gelände der Werft erkundet. Seine Fotografien zeigen das Werftgelände wie kurz nach dem Ende einer Schicht, leere Hallen, Gerüste, Stahlgebilde wie Gerippe und schließlich noch beide Hebekrähne der AG-WESER. Auch Fliegners Fotografie bezieht sich auf die streng gegliederte Sprache der Architekturfotografie mit geraden Linien, die den Bildern eine rhythmische Dynamik verleihen.

Horst Müller arbeitet als bildender Künstler international. In "Bremer Portfolio" zeigt Horst Müller in seinen digital montierten und bearbeiteten Bildern optische Wagnisse rund um die Überseestadt. Ein Fernsehturm, der nur noch aus den Etagenscheiben besteht und wie startende Ufos daher kommt ("Der Turm"), die Zollabfertigung, die sich in die Luft erhebt , als würde sie einfach verduften, weil sie hier nicht mehr gebraucht wird ("Das Hotel"), der Radarturm am Lankenauer Höft, der genauso verschwinden will, weil ja doch kein Schiff mehr kommt (Das Lotzenhaus"), das Hafenhochhaus ist schon weg und hat bloß seinen kleinen Aufbau dagelassen und der muss jetzt Acht geben, das er nicht tief fällt ("Die Bude"). Die Arbeiten von Joachim Fliegner und Horst Müller stammen aus der Sammlung der Städtischen Galerie Bremen.

Georg Schmidt (1913-2011) wurde1913 in Berlin geboren und ist nach einer Fotografenlehre1936 nach Bremen umgezogen. Er hat im Zweiten Weltkrieg als Kriegsberichterstatter gedient. Nach Kriegsende arbeitete er als einer der ersten Bildreporter in Bremen, anfangs für den heutigen Weser Kurier, aber auch für den Stern, Spiegel, Constanze und weitere, große Illustrierte der Zeit, weit über Bremen hinaus. Schmidt dokumentierte die gesamte Nachkriegszeit und den Aufbau des Überseehafens und ist damit einer der wichtigsten Bildchronisten in Bremen. Er hat 17 Bücher mit Zeitdokumenten veröffentlicht, darunter viele zum Thema Hafengeschichte. Schmidt repräsentiert mit seinen lebendigen Fotografien die historische Seite der Überseestadt in der Ausstellung. Georg Schmidt ist 2011 im Alter von 98 Jahren in Bremen gestorben, sämtliche Negative befinden sich seit 2012 im Besitz des Weser Kuriers.


Ali Eichelbach arbeitet als Grafiker und Filmemacher. Der Film "Die Hafenpiraten" von 1988 aus den Fehrfeldstudios ist ein Klassiker der Bremer Filmgeschichte. Der Film ist Krimi, Abenteuer und Drama, dort rettet man die Welt oder zumindest den Hafen.

Joachim Hofmann arbeitet als Dozent an der HfK Bremen und ist Filmemacher. Hofmann betreibt heute noch die Fehrfeldstudios. Der Film "Die Erde weint" handelt von der Rettung des alten Trafohauses (Wasser gleich Strom) im Hafen, es wurde Ende der 1980er Jahre abgerissen. Der Film, der im Stil der Hafenpiraten gedreht ist, ist Thriller, Drama und Protest, er spielt im Hafen und ist vergleichbar mit der Geschichte, die sich in den letzten 10 Jahren im Hafen tatsächlich abgespielt hat: Häuser weder abgerissen, um möglichst viel Flächenbevorratung für eventuelle Investoren zu schaffen und damit die Chance gründlich zu verpassen, eine gesunde Struktur von alter und neuer Architektur zu schaffen. Ali Eichelbach und Joachim Hofmann sind die Gründer der Fehrfeldstudios in Bremen.
http://joachimhofmann.net/

Der Kurator:
Jens Weyers arbeitet als Fotograf und Künstler in Bremen. Er arbeitet seit nunmehr 20 Jahren im Hafen, seit 2004 in der entstehenden Überseestadt. Seine künstlerische Arbeit beschäftigt sich seit dieser Zeit auch immer wieder mit dem Hafen; es sind in viele (scharfe und unscharfe) fotografische Serien hierzu entstanden. Seit einiger Zeit wurde auch sein Interesse an kuratorischer Arbeit geweckt.

Link zu einem Artikel im Weserkurier über die Ausstellung:
http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile/bremen-mitte/mitte_artikel,-Ueberseestadt-Fotos-in-der-Kulturkirche-_arid,555037.html

Kulturkirche St. Stephani auf FacebookÖffnungszeiten:
Zu Veranstaltungen; Di bis So, 11.00 bis 17.00 Uhr.