Programm
zur ProgrammübersichtDuke Ellington - Sacred music Concert I von 1965.
Sa 23.10.2010, 20:00 Uhr
Ort:
Kulturkirche St. Stephani, Stephanikirchhof
28195 Bremen
Stephanikirchhof
28195 Bremen
mit:
Soli, Chor und Bigband
Außerdem Werke von Charles Mingus
Solistin: Romy Camerun
Kulturkirchen-Projekt-Chor
Eine Bigband
Leitung: Tim Günther
Eintritt 21,- / 11,-
Duke Ellington’s Sacred Concert
Edward Kennedy „Duke“ Ellington ist bekannt als einer der bedeutendsten Komponisten und Bandleader des Jazz. Seit Mitte der 1920er Jahre prägte Ellington die Entwicklung der orchestralen Big Band-Swingmusik. Er schrieb lyrische Tagesschlager genauso wie abend-füllende Suiten, mitreißende swingende Tanzmusik und kleine Konzertstücke für einzelne seiner virtuosen Orchestermusiker. Seine Songs gingen in die amerikanische Musikgeschichte ein.
1965 erhielt Ellington den Auftrag, zur Einweihungsfeier der Grace Cathedral in San Francisco ein geistliches Konzert aufzuführen. Das „Sacred Concert“ war ein solch großer Erfolg, dass es nachfolgend an vielen großen Kirchen der Vereinigten Staaten aufgeführt und wiederholt wurde.
1967 begann Ellington mit der Arbeit an einem zweiten geistlichen Konzert, das als „Second Sacred Concert” am 19. Januar 1968 in der New Yorker Cathedral of St. John Devine urauf-geführt wurde.
1973 schließlich schrieb Ellington ein drittes Sacred Concert, das er als Kulturbotschafter der UNO in der Londoner Westminster Abbey aufführte.
Bei all diesen Konzerten waren neben Ellingtons Orchester Solosängerinnen und -Sänger so-wie die Chöre der jeweils beteiligten Kirchen zu hören. Ellington gelang es, die swingende Sprache des Jazz mit Chor-Traditionen der europäischen Kirchenmusik zu verbinden. Das Ergebnis ist dabei weit entfernt vom Gospelgottesdienst schwarzer Baptistengemeinden in den USA. Ellinton präsentiert in diesen Konzerten ein Bekenntnis zum Glauben und eine ehrfurchtsvolle Verbeugung vor Gott, aber mehr noch: zum Inhalt eines jeden Glaubens.
Ellingtons „Sacred Concerts” waren nur teilweise niedergeschrieben. Die Musiker seines Orchesters kannten ihre Parts zum größten Teil auswendig und so ist bis heute keine Partitur der einzelnen Konzerte verfügbar, die anderen Big Bands und Chören eine authentische Aufführung erlaubt.
Am 31. 10 1999, zu Ellingtons 100sten Geburtstag, hat das Jazz-Institut Darmstadt, eine von den Dänen John Höybye und Peter Peterson, den Schallplatten des Komponisten abgehörte zusammengefasste Version, mit Teilen aus allen drei Konzerten zur Aufführung gebracht. Dies ist das einzige Aufführungsmaterial das derzeit zur Verfügung steht.
Ziel des Konzeptes ist es, die Dramaturgie der einzelnen Konzerte wieder herzustellen. Dies bezieht sich zunächst auf das 1. Konzert von 1965. Es nimmt zweifelsohne eine heraus-ragende Stellung in Ellingtons musikalischer Laufbahn ein. In seiner Autobiographie schreibt er dazu: „Jetzt konnte ich endlich öffentlich bekennen, was ich mir bisher auf den Knien nur selber sagen konnte.“
Einerseits bildet es den erneuten Auftakt zu seiner konzertanten Phase. Ab dieser Zeit schreibt er vermehrt abendfüllende Suiten und Konzerte und hat damit einen wichtigen und pointierten Anteil an der Weiterentwicklung des Jazz. Andererseits ist die Zeit, in der dieses Konzert entsteht, eine ganz besondere und politisch bewegte: Es ist der Höhepunkt der Auseinandersetzung um die amerikanischen Rassengesetze und der Bürgerrechts-Bewegung. „Concert of sacred music“ ist Ellingtons Beitrag in dieser Situation und zu dieser Auseinan-dersetzung.
Mit „Come Sunday“, dem zentralen Titel, greift Ellington auf eine Ballade aus der Orchester-Suite „Black Brown and Beige“ aus dem Jahre 1943 zurück. Er hatte diese Suite seiner Zeit als „a tone-parallel to the history of the American Negro“ ("tönende Parallele zur Geschichte des amerikanischen Schwarzen") bezeichnet.
Aber im Zusammenhang des 1965 Konzertes lesen sich Ellington´s Titel wie die Parallele zu der Rede Martin Luther King´s Rede „I had a dream“ von 1963.
Da das erste Konzert eine Aufführungsdauer von nicht einmal einer Stunde hat, gibt es drei oder vier (je nach Sichtweise) weitere Titel quasi als Intro, um so ein abendfüllendes Konzertprogramm zu erhalten. Es sind Stücke von Carla Bley (kombiniert mit Kyrie und Gloria der Petite Messe Solennelle von G. Rossini) sowie zwei Titel von Charles Mingus.
Das Konzert anlässlich Duke Ellingtons 111 Geburtstag hat folgenden Ablauf:
1. SET: INTRO
The Lord is listening´ to ya Hallelujah! / Kyrie & Gloria (Bley-Rossini)
Better get it in your soul. (Mingus)
Open letter to Duke! (Mingus)
Pause
2. SET: D. ELLINGTON – SACRED CONCERT
In the Beginning God.
Tell me it´s the truth.
Come Sunday.
The Lord´s prayer.
Come Sunday 2.
Will you be there? / Ain´t but the one.
New World A-coming.
David danced before the Lord with all his might.
Die Ausführenden sind:
Romy Camerun, Solo
Eine Bigband
Ein Projektchor
Konzept: Stefan Rahnfeld
Auftraggeber: Kulturkirche St. Stephani Bremen
Gesamtleitung: Tim Günther

