Programm

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Axion esti - Lobgepriesen sei. Mikis Theodorakis zum 85. Geburtstag - Konzert 1

Sa 12.06.2010, 20:00 Uhr

Ort:
Kulturkirche St. Stephani, Stephanikirchhof
28195 Bremen

Stephanikirchhof
28195 Bremen

mit:
Thomas Zinke, Rezitation, Armin Kolarczyk, Bariton, Ein Volkssänger, Chöre: Bremer Kantorei St. Stephani und Ensemble d´accord,Sinfonie- und Folklore-Orchester "Axion esti"

Mikis Theodorakis zum 85. Geburtstag - Konzert 1 und 2
Axion esti - Lobgepriesen sei
Oratorium für Sprecher, 2 Bariton-Soli, Chor und Orchester
Mitwirkende. Thomas Zinke (Rezitation), Armin Kolarczyk (Bariton), Ein Volkssänger
Bremer Kantorei St. Stephani und Ensemble d´accord
Sinfonie- und Folklore-Orchester "Axion esti"
Technik: Gerd Anders
Dirigent: Tim Günther
Eintritt: 25,- / 14,-


Mikis Theodorakis:
Der Grieche Mikis Theodorakis gehört zu den bedeutendsten Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts. Wohl jeder Mensch begegnet irgendwann in seinem Leben der Musik des in aller Welt bekannten Komponisten. Ob Filmmusik, Ballette, politische, lyrische und folkloristische Lieder, Tänze, klassische Kammer- oder Orchestermusik, Chorwerke und Oratorien - es gibt kaum ein Genre, in dem Mikis Theodorakis nicht gewirkt und Arbeiten höchster Qualität, großer historischer und künstlerischer Bedeutung und ebensolcher Popularität geschaffen hat.

Mit der Aufführung des Oratoriums "Axion esti" beginnt in der Kulturkirche St. Stephani die mehrteilige Konzertreihe anlässlich des 85. Geburtstages des Komponisten.

Festkonzerte zum 85. Geburtstag von Mikis Theodorakis:

1: Axion esti - Lobgepriesen sei
Oratorium für Sprecher, 2 Bariton-Soli, Chor, Sinfonie- und Folklore- Orchester
12. und 13. Juni

2: Das Blaue Einhorn: "Wo find ich meine Seele"
Lieder von Krieg und Frieden
19. Juni

3: Órganon
Melodien von und für Theodorakis bearbeitet für Orgel
13. August

4: Maria Farantouri - Liederabend
1. Oktober



Axion esti - Lobgepriesen sei
Text: Odysseas Elytis (bürgerlich: Odysseas Alepoudhieis)
Musik: Mikis Theodorakis
Ein Oratorium für Sprecher, lyrischen Bariton, Volkssänger
Chor, Sinfonie- und Folklore-Orchester

"Axion esti" ist das erste große Oratorium von Mikis Theodorakis. Er vereint darin Elemente der unterschiedlichen Strömungen griechischer Musik mit der abendländisch-sinfonischen Kompositionsweise und schafft damit ein ungewöhnlich berührendes und universales Meisterwerk. Bereits 1960 im Wesentlichen vollendet, kam es doch erst rund vier Jahre später zur ersten öffentlichen Aufführung.

Die Textvorlage ist von Odysseas Elytis, dem späteren Träger des Nobelpreises für Literatur, die Theodorakis ein "revolutionäres Werk" nannte. Thema ist die Geschichte des griechischen Volkes im engeren und die gesamte menschliche Existenz im weiteren Sinne, dargestellt in bildhaft-mythologischer Sprache. Elytis bedient sich dabei der biblischen Dreiteilung Geburt/Entstehung ("Genesis"), Leben, Leiden und Tod ("Passion") und Unsterblichkeit ("Axion Esti"), die er sinnbildhaft verwendet und deutet.

In der "Genesis" wird die Entstehung des (griechischen) Meeres und der (griechischen) Erde besungen: "Da sprach er, und das Meer ward geschaffen". Im laufe des ersten Teiles "gelangt der Dichter zum Wissen, und damit zur Schuld". Das Wissen, die Erkenntnis und die Schuld führt zum Verlust der Naivität, des originären Zugangs zum Leben, es folgen Mühsal, leiden und Tod, die "Passion". Der Mensch verstrickt sich in den geschichtlichen Wechsel und Widerspruch von Unterdrückung und Kampf um Gerechtigkeit

Die Erfüllung, die Befreiung vom Leiden, besungen im dritten Teil des Werkes, der Lobpreisung, wird erst möglich durch die Leiden des Volkes, d. h. durch die Bewusstwerdung des Widersprüche zum eigentlichen Sinn menschlichen Lebens und der individuellen wie gesellschaftlichen Befreiung.

Theodorakis schafft mit "Axion esti" erstmals ein Oratorium, also ein Werk mit verschiedenen Schichten und "Handlungssträngen": Es gibt freie hymnische Verse, Rezitative in Prosa, volkstümliche Lieder und Chöre, die einander abwechseln. Dies ist neu innerhalb der griechischen Musik. Wie in der Tradition der protestantischen Kirchenmusik werden die "Rezitative" von einem Erzähler vorgetragen. Ohne musikalische Begleitung wird diese Textschicht deklamiert. Die Hymnen sind dem Kantor, dem Vorsänger, vorbehalten. Begleitet vom Chor und einem Sinfonieorchester, kommt dem Kantor die Aufgabe des "Psaltis" der byzantinischen Liturgie zu.

Die Lieder sind der Tradition und dem Repertoire des Rembetiko, einem griechischen Volksliedstil, entnommen, gewinnen jedoch durch ein "populäres" Orchester und Chorpassagen an Inhalt und Bedeutung.
Das Gegenüber zwischen einem „populären“, einem Volks- oder Folklore-Orchesters zur Instrumentierung mit klassischem Sinfonie-Orchester stellt eine fast revolutionäre Dimension und große Überraschung dar. Theodorakis vertritt und erreicht damit ein völlig neues griechisches Musikgefühl.
Er selbst konstatiert den fundamentalen Unterschied zwischen dieser Neuschöpfung und seinem früheren Werk: "Der Unterschied besteht darin, dass ich vorher einfach versucht habe, unsere nationale Tradition in den Rahmen der westlichen Musik hineinzustellen, indem ich zu diesem Zweck alle technischen Mittel und alle Formen benutzt habe, die diese uns hinterlassen hat, vom Gregorianischen Gesang über Bach bis zu Schönberg, Strawinski, Bartók und Schostakowitsch. Damit folgte ich nur dem Beispiel unserer nationalen Schulen. Hingegen habe ich mit Axion Esti versucht, ein Klanggewand zu nähen, das von der neo-hellenischen Musikwelt herkommt."

Theodorakis setzt die Instrumente des Sinfonie-Orchesters anders ein als gewohnt. Gleichzeitig weist er wegen der zweifachen Instrumentierung jedem Orchesterapparat seinen eigenen und unverwechselbaren Charakter zu, der gleichzeitig mit dem jeweils anderen harmonieren und zur Vereinheitlichung beitragen muss.
Auch die traditionellen und für Griechenland so typischen "alten" Musikformen erhalten dadurch eine völlig neue Aktualität. Er setzte sie auf neue Art zueinander ins Verhältnis und ins Verhältnis zur sinfonischen Musik.

Mit "Axion Esti" schuf Theodorakis ein ebenso bedeutendes wie beliebtes Werk, das aus dem griechischen Volksbewusstsein ebenso wie aus dem Repertoire weltweit hervorragender Werke nicht wegzudenken ist.